Weihnachtsmanngeschichte

Es geschah in einer Weihnachtsnacht.

Alles begann in einer Begegnung...

Der liebe gute Weihnachtsmann Claudius | Kiel | Schleswig-Holstein | Deutschland
© famveldman

... mit einem vermeintlichen Weihnachtsmann, hoch oben im »echten Norden« auf einem Weihnachtsmarkt einer bekannten Hafenstadt. Damals war ich bereits Vater von zwei kleinen Jungs, die glücklicherweise nicht dabei waren. Denn dieser Weihnachtsmann war gruselig.

36 Jahre ist das jetzt her, doch noch heute kann ich mich an jedes Detail dieses Möchtegern-Weihnachtsmannes erinnern. An diesen dünnen, langen Kapuzenmantel aus rotem Filz. Die dunkelgrünen Gummistiefel, die aussahen, als sei er gerade aus dem Wattenmeer gekommen. Dazu eine unheimliche Halbmaske mit aufgeklebtem Wattebart.

Aber das Schlimmste war, dass er sich die ganze Zeit mit einer Rute in die Hand schlug und damit vorbeilaufenden Kindern drohte. Zum Davonlaufen.

Der liebe gute Weihnachtsmann Claudius | Kiel | Schleswig-Holstein | Deutschland
© fotoskaz

Bis tief in die Nacht hat mich das Erlebnis beschäftigt. Ich war kein übermäßig weihnachtsaffiner Mensch, aber den Weihnachtsmann kannte ich aus meiner Kindheit ganz anders. Warmherzig, gütig und › wunderschön gekleidet!

Lange lag ich wach und fragte mich immer wieder: „Muss das so sein? Geht das nicht besser, viel besser?“

Es gibt im Leben Momente, in denen sich Türen öffnen und etwas Neues beginnt. In jener Nacht war ein solcher, in dem aus mir, damals noch ein BWL-Student, der liebe gute Weihnachtsmann Claudius wurde. Als ich mich nicht mehr fragte, ob man das nicht besser machen könne – sondern wie. Wie ich das besser machen könnte.

Am nächsten Tag ging ich in die Stadtbücherei und lieh mir alle Bücher aus, die ich über den Weihnachtsmann finden konnte – denn »Google« war zu jener Zeit nur als sächsischer Weihnachtsbaumschmuck bekannt. Ich las Hans Christian Andersen, Theodor Storm und viele andere.


Weihnachtsmann-Darstellung, ca. 1890

Dabei entdeckte ich, dass der »Weyhnachtsmann« bereits im Dezember 1770 in einer Berliner Wochenschrift⇗ publizistisch erwähnt wurde. Dass Coca Cola den Weihnachtsmann erfunden hat, ist also »Cocalores«.

Nach der Lektüre erstellte ich ein eigenes Konzept – vier DIN-A4 Seiten lang. Eine Art Drehbuch, wie ein Weihnachtsmann auftreten müsste.

Der liebe gute Weihnachtsmann Claudius | Kiel | Schleswig-Holstein | Deutschland
© bst2012

Mit Massenware aus dem Kaufhaus wollte ich mich schon damals nicht zufrieden geben. Also bestellte ich mein erstes Outfit bei einem Kostümfachhändler in München. Traditionsbewusst einen Mantel zur Darstellung des Weihnachtsmannes (und nicht des amerikanischen »Santa« im Hosenanzug).

Kleinanzeigen wurden geschaltet, die Auftritte mit den Familien bis ins kleinste Detail vorbesprochen und am Heiligabend 1985 war es dann endlich soweit. Ich erschien bei meinen ersten »Weihnachtskindern«. Alles verlief im Wesentlichen »nach Plan« – bis auf eines...!

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© Konstantin Yuganov

Als ich Herzenswünsche erfüllte, geschah etwas Unerwartetes. Nicht nur die Kinder bekamen von mir Geschenke, vor allem bekam ich »Geschenke« von den Kindern – leuchtende Kinderaugen, die mich glückselig anstrahlten, Freude und Dankbarkeit. Herzergreifend. Überwältigend.

Drei Dinge sind uns aus dem Paradies geblieben:
die Sterne der Nacht, die Blumen des Tages und
die Augen der Kinder.

(Dante Alighieri)

Zutiefst beseelt kehrte ich heim. Da war ein unglaubliches Bauchgefühl. Zufriedenheit. Pures Glück. Ein Gefühl tiefer Verbundenheit – so menschlich warm und reich. Mit nichts zu vergleichen, was ich je zuvor erlebt hatte. An jenem Weihnachtsabend war mir klar: Das ist mehr als ein Studentenjob.

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An Schlaf war nicht zu denken. Lange lag ich wach. Dachte nach. Und fasste einen Entschluss. So nahm »in einer Weihnachtsnacht« der liebe gute Weihnachtsmann Claudius seinen professionellen Anfang. Einer inneren Berufung folgend, erfüllt mich dieses »zweite Dasein« nun bereits im vier Jahrzehnt mit sehr viel Freude.

Unzählige »Augenblicke voller Glück« sind seither für mich die schönsten »Geschenke« der Welt! Denn in diesen Momenten offenbart sich mir immer wieder der »Weihnachtszauber«:

Der Zauber der Weihnacht,
der in den Herzen der Menschen lebt.

Stern