Wie ein Winterabend mein Leben veränderte.
Manchmal genügt ein einziger Abend, um ein Leben in eine neue Richtung zu lenken. Ein Moment, der so unscheinbar beginnt – und doch einen Zauber entfacht, der bis heute weiterleuchtet. Die wahre Entstehungsgeschichte des Weihnachtsmannes Claudius – warm, berührend und voller Weihnachtszauber.
© famveldman
Es war einmal ... vor vielen Wintern, auf einem Weihnachtsmarkt hoch oben im »echten Norden«. Zwischen Lichterglanz, Kinderstimmen und dem Duft von gebrannten Mandeln begegnete ich einem Weihnachtsmann – doch er war keiner.
Ich war Vater zweier kleiner Jungen, und zum Glück waren sie an diesem Abend nicht an meiner Seite. Denn was ich sah, ließ selbst Erwachsene innehalten: ein dünner, roter Filzmantel, der eher an ein vergessenes Kostüm aus einer Requisitenkiste erinnerte, dunkelgrüne Gummistiefel und eine Halbmaske mit schief angeklebtem Wattebart.
Doch das Kostüm war nicht das Schlimmste. Es war die Rute in seiner Hand, mit der er sich selbst auf die Finger schlug und vorbeigehenden Kindern drohend nachsetzte. Ein Anblick, der den Zauber der Weihnacht nicht nur trübte – er ließ ihn für einen Moment verschwinden.
© fotoskaz
In jener Nacht fand ich keinen Schlaf.
Der Weihnachtsmann meiner Kindheit war ein anderer gewesen: gütig, warmherzig, › prachtvoll gekleidet – ein Freund der Kinder, ein Bote des Lichts. Und so fragte ich mich:
Muss das so sein? Wo ist der Zauber geblieben? Kann man ihn nicht zurückholen – heller, wahrer, würdevoller?
Es war, als öffnete sich in diesem Moment eine unsichtbare Tür. Etwas rief mich. Etwas Altes, etwas Neues, etwas, das ich nicht benennen konnte. Eine Sehnsucht. Eine Berufung. Ein Gefühl, das stärker war als jede Vernunft.
Und so wurde in jener Nacht mehr geboren als nur ein Gedanke: der liebe gute Weihnachtsmann Claudius.
Am nächsten Morgen stand ich in der Stadtbücherei, umgeben vom Duft alter Bücher und dem Rascheln vergilbter Seiten. »Google« war damals nur ein Wort, das man mit sächsischem Weihnachtsbaumschmuck verband.
Ich suchte nach Spuren des Weihnachtsmannes in Geschichten, Sagen und alten Chroniken. Ich las Andersen und Storm und entdeckte beiläufig, dass der »Weyhnachtsmann« bereits 1770 in einer Berliner Wochenschrift publizistisch erwähnt wurde. Die Legende, Coca Cola habe ihn erfunden, war nichts als ein Märchen – ein falsches, also »Coca Lores«.
Aus diesen Studien entstand ein Konzept: vier Seiten, ein Drehbuch für den Weihnachtsmann, wie er sein sollte – würdevoll, warmherzig, zeitlos.
Ich bestellte mein erstes Gewand bei einem Fachhändler in München: ein Mantel, wie aus den Geschichten alter Zeiten. Mit Kleinanzeigen suchte ich Familien, und jeder Auftritt wurde vor Ort sorgfältig besprochen.

Weihnachtsmann-Darstellung, ca.
1890
Dann kam der Heiligabend. Der Schnee fiel leise, als wolle er die Welt für einen Moment stiller machen.
Ich trat ein bei meinen ersten »Weihnachtskindern« – und in diesem Augenblick geschah etwas, das ich nie vergessen werde.
Während ich die Herzenswünsche der Kinder erfüllte, geschah etwas Unerwartetes:
Ich selbst erhielt ein Geschenk.
Strahlende Augen. Leuchtende Gesichter. Dankbarkeit, die wie ein warmer Strom durch den Raum floss. Ein Gefühl, das mein Herz überwältigte und mir zeigte, dass ich auf dem richtigen Weg war.
©bst 2012
Müde, doch überglücklich kehrte ich heim. Und ich wusste:
Dies war mehr als ein Studentenjob. Dies war ein Weg. Ein neuer Teil meines Lebens.
Drei Dinge
sind uns aus dem Paradies geblieben:
die Sterne der Nacht, die Blumen des
Tages und
die Augen der Kinder.
(Dante Alighieri)
Seit jenem Abend sind vier Jahrzehnte vergangen – vier Jahrzehnte voller Begegnungen, voller kleiner Wunder, voller Augenblicke voller Glück*.
Ich habe gelernt, dass der wahre Zauber von Weihnachten nicht in den Geschenken liegt, sondern in den Herzen der Menschen.
© dhpmedia
* Eine meiner liebsten Erinnerungen erzählt von einem bescheidenen Mädchen, dessen Herzenswunsch erfüllt wurde – ein Moment, der nicht nur die Eltern, sondern auch mich zu Tränen rührte.
Diese Geschichte – und viele andere – finden ihren Platz in meinem entstehenden Buch und ist hier bereits als Vorabdruck zu lesen
Denn manche Augenblicke sind zu wertvoll, um sie der Vergänglichkeit zu überlassen.