Ein Wunsch, größer als jedes Geschenk
Was ein Mädchen zu fragen wagte.
© Günter Menzl
Wenn »der liebe gute Weihnachtsmann Claudius« von seinen Erlebnissen aus vier Jahrzehnten erzählt, ist es, als würde er sein großes »Goldenes Buch« aufschlagen. Manche dieser Kapitel sind erfüllt von herzhaftem Lachen, andere von ehrfürchtigem Staunen, und einige berühren das Herz so tief, dass sie für immer unvergesslich bleiben.
Eine dieser Geschichten handelt von einem fünfjährigen Mädchen, das einen Wunsch äußerte, der größer war als jedes Geschenk. Ein Moment, so unerwartet und zugleich so herzlich, dass er bis heute in besonderer Weise nachklingt – und der selbst den Weihnachtsmann für einen Augenblick sprachlos macht.
Ein Wunsch, größer als jedes Geschenk
Ein Adventsnachmittag voller Weihnachtszauber
Es war ein Adventsnachmittag in Neumünster. Die große Apotheke erstrahlte im warmen Glanz der Weihnachtszeit. Lichterketten funkelten wie kleine Sterne, Tannenzweige dufteten nach Wald, und die Stimmen der Kinder erfüllten den Raum mit Gedichten und Liedern.
Mitten in diesem festlichen Treiben stand ich – der liebe gute Weihnachtsmann Claudius. Im roten Mantel, mit weißem Bart und einem Sack voller kleiner Geschenke begrüßte ich die Familien. Jedes Kind erhielt – auch ohne Gedicht oder Lied – ein liebevolles Wort, ein Präsent und ein Erinnerungsfoto mit mir.
Unter den vielen Besuchern fiel mir eine Mutter mit ihren beiden Kindern auf: ein Junge von etwa acht Jahren und seine kleine Schwester, fünf Jahre alt. Sie waren bereits bei mir gewesen, doch ihre Augen folgten mir weiterhin neugierig, während ich andere Kinder beschenkte.
Als der größte Andrang vorüber war, trat die Mutter erneut zu mir. Sie führte ihre Tochter – nennen wir sie Lizann – an der Hand. In ihrem Blick lag etwas Geheimnisvolles. Lizann, klein und zart, aber mit funkelnden Augen, trat vor mich. Und dann geschah etwas, das selbst für einen Weihnachtsmann nicht alltäglich ist.
Sie hatte sich zuhause einen Wunsch genau überlegt – einen Wunsch, größer als jedes Geschenk. Sie sah mich an, holte tief Luft und sagte:
„Lieber Weihnachtsmann… darf ich dich heiraten?“
Es wurde still. Ein Moment, der alle Anwesenden innehalten ließ.
Die kindliche Ernsthaftigkeit, mit der sie ihren Wunsch vortrug, berührte mich tief. In solchen Augenblicken spürt man, wie groß das Vertrauen ist, das Kinder in den Weihnachtsmann legen – ein Vertrauen, das man mit Würde tragen muss. Also antwortete ich ihr mit Herz und Humor.
Ich fragte sie,
ob sie gut mit Rentieren umgehen könne,
ob sie meinen Wichteln Milchreis kochen würde
und ob ihr bewusst sei,
dass es hoch oben im Norden oft bitterkalt ist.
Jede Frage wurde tapfer bejaht.
„Nun“, sagte ich, „das ist ja großartig. Aber… zum Heiraten muss du natürlich noch ein bisschen älter werden. Doch ich verspreche dir: Deinen Wunsch nehme ich mir zu Herzen. Und ich freue mich sehr, dass du ihn mir heute so mutig anvertraut hast.“
Lizann strahlte über das ganze Gesicht. Ihr Bruder drückte ihre Hand. Und die Mutter wischte sich verstohlen eine Träne aus dem Augenwinkel.
Es war ein stiller, zarter Moment – ein warmer Lichtstrahl, der sich tief in die Erinnerung brannte.
Ein Wiedersehen, das Herzen berührte
Eine Woche später führte mich ein weiterer Auftritt erneut nach Neumünster. Der Heiratsantrag des kleinen Mädchens war mir nicht aus dem Sinn gegangen. Mir war es gelungen, die Adresse der Familie zu erhalten und hatte mich mit den Eltern in Verbindung gesetzt. Ein solcher Wunsch – so unschuldig, so herzlich – sollte nicht einfach im Trubel der Adventszeit verblassen.
So besuchte ich Lizann und ihre Familie zuhause. Mitgebracht hatte ich einen Sammelband mit weihnachtlichen Geschichten von Mauri Kunnas, darunter die Erzählung „Wo der Weihnachtsmann wohnt“. Dazu legte ich eine meiner Autogrammkarten mit einer persönlichen Widmung – ein kleines Zeichen dafür, dass ich ihren Wunsch nicht vergessen hatte.
Als Lizann das Buch entgegennahm, leuchteten ihre Augen. Ein kostbarer Augenblick, der zeigte, wie tief Kinder fühlen und wie ernst sie ihre Herzenswünsche meinen.
Ein kleines Herz, das einen großen Moment schenkte
So wurde aus einer Begegnung inmitten der Adventszeit eine Erinnerung, die bis heute in mir weiterstrahlt – schlicht, berührend und voller Weihnachtszauber.
Manche Begegnungen kündigen sich nicht an. Manche enden auch nicht.
© Der liebe gute Weihnachtsmann Claudius
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